Ein Blick zurück........
Toni Bürkle  

Kaplan in Bühl von  1961 - 1964
 
schrieb uns:

Vorneweg muss ich sagen, dass meine Bühler Kaplanszeit aufs engste verbunden ist mit den Persönlichkeiten von Dekan August Meier und seiner Haushälterin Fräulein Frieda. Diese beiden boten mir mit ihrer Großzügigkeit eine Heimat, ein Zuhause, auf Grund dessen ich zur Arbeit geradezu beflügelt wurde.

So sind von der alltäglichen Arbeit eines Kaplans der damaligen Zeit (Gottesdienste feiern – „Messe lesen“ - Beichte hören, 22 bis 24 Wochenstunden Schulunterricht, Krankenhausbetreuung etc. mal abgesehen, viele Unternehmungen, Projekte und Begegnungen zu bleibenden und prägenden Erinnerungen geworden. Als Beispiele wären hier zu nennen:

-         Die Arbeit  in der Kolpingsfamilie mit Senior Wilfried Kirschner, wobei vor allem  die Theateraufführungen an Weihnachten unter der Regie von Dr. Pohl hervorzuheben sind: Arbeit „bis zum geht nicht mehr“, aber schön.

-         Die Arbeit in den verschiedenen KJG-Gruppen, sowohl mit den Buben als auch mit den Mädchen. Obwohl die weibliche Jugend hauptsächlich von meinem Mitkaplan Dr. W. Baunach betreut wurde und ich für die Buben zuständig war, lud ich jeweils für die Pfingstwoche zu einer Freizeit auf der Landsberger Hütte in Tannheim/Tirol und nach Fertigstellung des Hauses Geschwister Scholl vom Stephanstag bis Neujahr nach Herrenwies ein. Diese Tage wurden zu unvergesslichen Zeiten, für viele bis heute. Die Fahrten nach Tannheim haben meine Nachfolger für mehrere Jahre weitergeführt, zunächst als gemeinsame Projekte/Unternehmungen mit Jugendlichen der Pfarreien, in die ich jeweils versetzt wurde (Mannheim, Waldkirch... s. Seite von Richard Huber)

-         Der Bau des Hauses Geschwister Scholl in Herrenwies. Dieses Haus wurde von Kaplan Behr initiiert und begonnen. Es standen vier Wände aus Hohlblocksteinen; diese Baustelle wurde von mir übernommen und fertig gestellt. Eröffnung und Namensgebung fanden 1962 statt. In diesem Zusammenhang sei unserem Förderer Hans Trautmann gedankt und vor allem den Mitgliedern der Kolpingsfamilie, allen voran Wolfgang Rheinschmitt.

Die Gruppe St. Notburga – heute kaum mehr vorstellbar - eine Vereinigung von Hausangestellten, sog. Dienstmädchen und Bediensteten unter Leitung von Fräulein Bummer (unvergesslich). Diese Frauen waren so hungrig nach und empfänglich für Wissen und Aufklärung, dass ich mich sehr gefordert fühlte. Die Gruppe war auch insofern bemerkenswert und geradezu herausfordernd, indem sie erwarteten, dass ich ihnen jährlich einen eigenen Einkehrtag halte (im Haus „Sonneck“ oder im Kloster Neusatz-Eck).

All mein Planen und Arbeiten wurden von meinem Chef gesehen und gutgeheißen. Wir sprachen über Predigten und an Lob mangelte es nicht, so dass ich immer mehr an Selbstvertrauen gewann und zu mir selber fand, war ich doch nach meiner Priesterweihe eben noch ein Anfänger.

Von Bühl wurde ich 1964 nach Mannheim versetzt. Weitere Stationen waren Waldkirch und Urloffen, wo ich 1970 den Dienst in der Kirche beendigte und durch ein weiteres Studium den Grundstein für einen Berufswechsel  und  eine Familie legte.

 

 

 

 

 

Heute bin ich ein pensionierter Realschulrektor mit Familie und darin sehr glücklich. Mein Leben war wie ein Traum. Nichts in meinen fast 70 Lebensjahren möchte ich missen, am wenigsten Bühl.

 

Anmerkung der Redaktion:
Toni Bürkle engagiert sich  als Pensionär in der Pfarrgemeinde St. Margarethen in Waldkirch - Die Fotos aus der Kirche sind sein Werk.

Seine liebste Freizeitbeschäftigung ist die Arbeit in seinem großen Waldgrundstück bei Waldkirch und das Reisen.

 

 

 

Hier noch weitere Fotos von anno dazumal.....


Das Team von St. Peter und Paul in 1962.... 
Kaplan Dr. Baunach - Dekan Maier - Kaplan Bürkle


Toni Bürkle zusammen mit  Kaplan Dr. Baunach bei einer Fete

Vor dem Haus Sonneck in Neusatzeck

 


Auf Herrenwies
Geschwister Scholl Haus

Auf Neusatzeck


Kleine Anmerkung von Reinhard Loeper aus der Redaktion:
Ich erlebte Herrn Bürkle im Religionsunterricht als Quartaner und Untertertianer am Windeck-Gymnasium Bühl . Damals trauten sich die ersten Kapläne den römischen Kragen gegen ein weißes Hemd mit Schlips auszutauschen und das Tiefschwarze im Anzug wich einem dezenten Grau. Kaplan Bürkle stand immer auf unserer Seite, auf der Seite der Jugend, die frischen Wind unter die muffigen Talare bringen wollte ohne dabei gleich an "Revolution" zu denken. Auch die Art und Weise wie sich Herr Bürkle den Respekt der Klasse verschaffte war damals einzigartig.  Ich erinnere mich noch sehr gut an den Handstand, den er auf dem Pult vor der Klasse vollbrachte und dabei bemerkte, wenn ihm einer dies nachmachen würde, könne dieser auch die ganze Stunde hindurch "schwätzen" , wenn es aber keiner nachmache, so soll Ruhe sein im Klassenzimmer. Und......es meldete sich niemand, der es nachmachte.........und es war Ruhe. Sein Unterrichtsstil war geprägt von Toleranz, Offenheit und Fairness, was aber an seiner fundierten fachlichen Kompetenz überhaupt nichts abtat.